Auf den Spuren des Persil-Manns

was das Seine zum Erfolg beigetragen haben dürfte. Variationen des Spots, wie etwa ein Talk mit Hausfrauen, floppten: Die Konsumentinnen wollten sich vom Persil-Mann und Waschexperten belehren und betören lassen. Und das funktionierte selbst im Ausland: „Im Libanon, in Ungarn oder der damaligen Tschechoslowakei kam ich als dieser typische Deutsche mit diesem typisch-deutschen Produkt genau so glaubhaft rüber.“ In Südafrika brachte ein Sprachlehrer Hagemeyer Afrikaans bei, sonst wurden die Spots immer synchronisiert – sogar in Österreich. Alljährlich im Herbst kam dann der Anruf aus der Konzernzentrale, ob man den Vertrag um ein weiteres Jahr verlängern möge. „Dass der damalige Vorstandsvorsitzende von Henkel mir ähnlich sah, und er in der Öffentlichkeit mit mir verwechselt wurde und er damit kokettieren konnte, hat sicher jeweils

geholfen.“ Doch Hagemeyer war eigentlich Freier Journalist. Wie vertrug sich die starke Präsenz in der Werbeindustrie mit seinem Beruf? Er hatte als Redaktor einer technischen Fachzeitschrift gearbeitet, ein Wirtschaftsmagazin als Chefredaktor aufgebaut, wurde Redaktor von „Capital“ und wechselte schliesslich zum Film, wo er hauptsächlich für das WDR-Fernsehen Beiträge realisierte. „Ich habe das immer gut trennen können“, sagt Hagemeyer, „habe zum Beispiel nie über Persil geschrieben“. Überhaupt sei er ein „Hans-Dampf in etlichen Gassen“. Er machte politische Beiträge – interviewte unter anderen Helmut Kohl und den Ajatolla Chomeini – und Werbefilme gleichzeitig. Und sieht das alles positiv: „Werber sind in der Zeit den TV-Journalisten voraus. Von der Arbeit bei Henkel konnte ich viel lernen und als Journalist dann umsetzen.“

Nur einmal in zwanzig Jahren begann

Hagemeyer an seinen eigenen Werbeversprechungen zu zweifeln, erwachte gleichsam der investigative Journalist in ihm. Die Henkel-Verantwortlichen spürten das und luden ihren Persil-Mann zu einer Firmenbesichtigung ein. „Sie haben mich dann von der Qualität überzeugt“, sagt Hagemeyer etwas leiser, wischt die aufkommenden Gedanken und Erinnerungen mit einer Handbewegung weg und lenkt das Thema in die Richtung seiner neusten Projekte: Beiträge übers Abenteuer Altern verfassen! PR-Arbeit für einen Erlebnispark in Brandenburg einfädeln! Die neueste digitale Filmtechnik erlernen!

 

Ich jedenfalls spürte die Zweifel Hagemeyers nie. Als ich mit 19 meine erste Wohnung einrichtete, griff ich im Einkaufszentrum zu einem Waschmittel. Erst zuhause schaute ich mir die Packung an: Es war Persil.